BCP und DRP erstellenWas in welchen Plan gehört

Veroeffentlicht:

Was in den Business Continuity Plan gehört und was in den Disaster Recovery Plan: prozess- und ressourcenorientierte Planung abgegrenzt, mit Übersichtstabelle und Word-Vorlagen.
Besprechungstisch mit zwei aufgeschlagenen Plan-Ordnern und Laptop, im Hintergrund ein Serverraum, darüber der Titel BCP und DRP erstellen

Ein Business Continuity Plan (BCP) beschreibt, wie ein Prozess bei einer Störung fortgeführt wird. Ein Disaster Recovery Plan (DRP) beschreibt, wie die dafür benötigten Ressourcen wiederhergestellt werden. Beide Pläne beantworten unterschiedliche Fragen und müssen aufeinander verweisen: Welche Prozessleistung brauchen wir bis wann – und wie stellen wir die benötigte Technik, Infrastruktur oder andere Ressourcen dafür bereit?

Inhaltsverzeichnis

Ausgangspunkt BIA

Woraus sich Zielzeiten und Ressourcen ergeben

Ausgangspunkt ist die Business Impact Analyse (BIA). Sie zeigt, welche Folgen ein Prozessausfall mit zunehmender Dauer hat. Daraus werden die zeitlichen Anforderungen und die benötigten Ressourcen abgeleitet. Das BSI beschreibt diese Verbindung von Geschäftsprozessen, Ressourcen und Wiederanlaufplanung im Standard 200-4.[1]


Was in einen BCP gehört

Bestandteile und wozu sie gebraucht werden

Ein BCP sollte im Ereignis schnell lesbar sein. Deshalb enthält er die Entscheidungen und Angaben, die für die Fortführung des Prozesses gebraucht werden, nicht jede technische Einzelanweisung.

BestandteilWozu wird er gebraucht?
Prozess und GeltungsbereichDamit klar ist, welche Leistung ausfällt, für wen der Plan gilt und was er regelt.
Ausfallfolgen nach ZeitstufenDamit Entscheidungen auf konkreten Folgen beruhen. Operative, finanzielle, rechtliche und reputative Folgen sowie mögliche Personen- und Umweltschäden können getrennt betrachtet werden. Die Bewertungsskala muss die Organisation selbst festlegen und erläutern.
MTPD und RTODie MTPD bezeichnet die äußerste tolerierbare Unterbrechungsdauer. Die RTO ist das frühere Ziel für die Wiederaufnahme der erforderlichen Prozessleistung.
MindestbetriebMessbare Teilziele beschreiben, welche Leistung trotz Störung mindestens erreicht werden muss. Dieses Mindestbetriebsniveau wird auch MBCO genannt.
Ressourcen und AbhängigkeitenFür jedes Teilziel muss erkennbar sein, welche Ressourcen benötigt werden, warum sie benötigt werden und welcher Ersatz tatsächlich tragfähig ist.
Organisatorische FortführungVorbereitete Maßnahmen wie eine Arbeitsverlagerung oder ein manuelles Verfahren können Zeit überbrücken. Ihre Voraussetzungen und Grenzen gehören dazu.
Verantwortung und EntscheidungenDer Plan legt fest, wer ihn aktiviert, wer informiert wird und wer die Rückkehr zum Normalbetrieb bestätigt.

Früh eskalieren

Ein BCP sollte frühzeitige Eskalation ermöglichen. Wenn absehbar ist, dass die RTO nicht erreicht wird, darf die Information an die zuständige Führung nicht erst nach Ablauf der Zielzeit erfolgen. Ein detailliertes Übungsszenario, Beobachtungsaufgaben und Testergebnisse gehören dagegen in getrennte Unterlagen.


Wann es einen DRP braucht

Ressourcen und Ressourcenverbünde wiederherstellen

Ein DRP ist sinnvoll, wenn die Wiederherstellung einer wichtigen Ressource mehr erfordert als eine einfache, bereits bekannte Routine. Das kann IT-Infrastruktur betreffen, aber ebenso eine technische Anlage, Gebäudeversorgung oder einen Verbund voneinander abhängiger Ressourcen. In diesem Beitrag verwenden wir „DRP“ für einen solchen Ressourcenverbund. In anderen Organisationen kann dafür die Bezeichnung „Wiederanlaufplan“ passender sein.

Was ein DRP festhält

Der DRP benennt die enthaltenen Ressourcen, ihre Vorleistungen und die Reihenfolge der Wiederherstellung. Er hält fest, welche Sicherheitsfreigaben vor Eingriffen nötig sind, wer die Arbeiten ausführt, woran die wiederhergestellte Funktion erkannt wird und wie sie an den Prozessbetrieb zurückgegeben wird. Bei Gefahr für Menschen oder Umwelt haben Schutzmaßnahmen Vorrang vor einer Zielzeit. Für komplexe IT-Systeme empfiehlt auch NIST eine nachvollziehbare Reihenfolge und überprüfbare Wiederherstellungsschritte.[2]

Zuschnitt der Pläne

Nicht jede einzelne Ressource braucht einen eigenen DRP. Zusammengehörige Ressourcen können in einem Plan stehen, wenn ihre Abhängigkeiten, Zuständigkeiten und Wiederherstellung sinnvoll gemeinsam beschrieben werden können. Umgekehrt kann ein DRP mehrere BCPs unterstützen. Er sollte deshalb die betroffenen Prozesse und Mindestbetriebsziele ausdrücklich nennen.


So werden die Vorlagen genutzt

Vom Prozess zum Ressourcenverbund

Beginnen Sie mit einem klar abgegrenzten Prozess und seinen zeitlichen Ausfallfolgen. Formulieren Sie danach den Mindestbetrieb als überprüfbare Teilziele. Ordnen Sie diesen Zielen die benötigten Ressourcen, Kontakte und vorbereiteten Ersatzmöglichkeiten zu. Erst aus diesen Anforderungen ergibt sich, welche Ressourcenverbünde einen DRP benötigen und welche Zielzeit deren Wiederherstellung einhalten muss.

Pläne prüfen und üben

Prüfen Sie beide Pläne anschließend mit den zuständigen Fachbereichen und in einer Übung: Sind die Kontakte erreichbar? Sind Ersatzwege unter den beschriebenen Bedingungen möglich? Dauern Freigabe und Wiederherstellung länger als angenommen? Halten Sie die Ergebnisse in einem separaten Prüf- oder Übungsprotokoll fest und aktualisieren Sie die Pläne. Ein ausgefülltes Muster ersetzt weder eine fachliche Prüfung noch geltende Sicherheitsanweisungen.

Vorlagen für BCP und DRP

Allgemeine Arbeitsvorlagen zum Anpassen an die eigene Organisation. Sie sind keine zertifizierten und keine ohne Anpassung einsatzbereiten Notfallpläne.

BCP-Vorlage als Word-Datei herunterladenWord-Datei (.docx) · 47 KBDRP-Vorlage als Word-Datei herunterladenWord-Datei (.docx) · 43 KB

Weiterführend

Vertiefungen bei NOVELEDGE


Quellen

Standards und Leitfäden

Die Begriffe und Zusammenhänge in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden frei verfügbaren Quellen.

  1. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: BSI-Standard 200-4 – Business Continuity Management. Version 1.0, 2023. Herangezogen: Business Impact Analyse sowie Geschäftsfortführungs- und Wiederanlaufplanung. Frei verfügbar beim BSI. ↑
  2. National Institute of Standards and Technology: NIST Special Publication 800-34 Rev. 1 – Contingency Planning Guide for Federal Information Systems. 2010. Herangezogen: Wiederherstellungsphase (Recovery Phase). Frei verfügbar bei NIST. ↑

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