Ein Business Continuity Plan (BCP) beschreibt, wie ein Prozess bei einer Störung fortgeführt wird. Ein Disaster Recovery Plan (DRP) beschreibt, wie die dafür benötigten Ressourcen wiederhergestellt werden. Beide Pläne beantworten unterschiedliche Fragen und müssen aufeinander verweisen: Welche Prozessleistung brauchen wir bis wann – und wie stellen wir die benötigte Technik, Infrastruktur oder andere Ressourcen dafür bereit?
Experte für Business Continuity Management (BCM), Risikomanagement und organisatorische Resilienz, insbesondere im Umfeld kritischer Infrastrukturen. Sein Schwerpunkt liegt auf Business Impact Analysen (BIA), Risikoanalysen sowie dem Aufbau und der Weiterentwicklung von BCM- und Krisenmanagementstrukturen. Im NOVELEDGE-Netzwerk unterstützt er Organisationen bei der praktischen Umsetzung resilienter Strukturen unter Berücksichtigung internationaler Standards wie ISO 22301, ISO 27001 und ISO 31000 und geltender Regulatorik.
Inhaltsverzeichnis
Ausgangspunkt BIA
Woraus sich Zielzeiten und Ressourcen ergeben
Was in einen BCP gehört
Bestandteile und wozu sie gebraucht werden
Wann es einen DRP braucht
Ressourcen und Ressourcenverbünde wiederherstellen
So werden die Vorlagen genutzt
Vom Prozess zum Ressourcenverbund
Weiterführend
Vertiefungen bei NOVELEDGE
Quellen
Standards und Leitfäden
Ausgangspunkt BIA
Woraus sich Zielzeiten und Ressourcen ergeben
Ausgangspunkt ist die Business Impact Analyse (BIA). Sie zeigt, welche Folgen ein Prozessausfall mit zunehmender Dauer hat. Daraus werden die zeitlichen Anforderungen und die benötigten Ressourcen abgeleitet. Das BSI beschreibt diese Verbindung von Geschäftsprozessen, Ressourcen und Wiederanlaufplanung im Standard 200-4.[1]
Was in einen BCP gehört
Bestandteile und wozu sie gebraucht werden
Ein BCP sollte im Ereignis schnell lesbar sein. Deshalb enthält er die Entscheidungen und Angaben, die für die Fortführung des Prozesses gebraucht werden, nicht jede technische Einzelanweisung.
| Bestandteil | Wozu wird er gebraucht? |
|---|---|
| Prozess und Geltungsbereich | Damit klar ist, welche Leistung ausfällt, für wen der Plan gilt und was er regelt. |
| Ausfallfolgen nach Zeitstufen | Damit Entscheidungen auf konkreten Folgen beruhen. Operative, finanzielle, rechtliche und reputative Folgen sowie mögliche Personen- und Umweltschäden können getrennt betrachtet werden. Die Bewertungsskala muss die Organisation selbst festlegen und erläutern. |
| MTPD und RTO | Die MTPD bezeichnet die äußerste tolerierbare Unterbrechungsdauer. Die RTO ist das frühere Ziel für die Wiederaufnahme der erforderlichen Prozessleistung. |
| Mindestbetrieb | Messbare Teilziele beschreiben, welche Leistung trotz Störung mindestens erreicht werden muss. Dieses Mindestbetriebsniveau wird auch MBCO genannt. |
| Ressourcen und Abhängigkeiten | Für jedes Teilziel muss erkennbar sein, welche Ressourcen benötigt werden, warum sie benötigt werden und welcher Ersatz tatsächlich tragfähig ist. |
| Organisatorische Fortführung | Vorbereitete Maßnahmen wie eine Arbeitsverlagerung oder ein manuelles Verfahren können Zeit überbrücken. Ihre Voraussetzungen und Grenzen gehören dazu. |
| Verantwortung und Entscheidungen | Der Plan legt fest, wer ihn aktiviert, wer informiert wird und wer die Rückkehr zum Normalbetrieb bestätigt. |
Früh eskalieren
Ein BCP sollte frühzeitige Eskalation ermöglichen. Wenn absehbar ist, dass die RTO nicht erreicht wird, darf die Information an die zuständige Führung nicht erst nach Ablauf der Zielzeit erfolgen. Ein detailliertes Übungsszenario, Beobachtungsaufgaben und Testergebnisse gehören dagegen in getrennte Unterlagen.
Wann es einen DRP braucht
Ressourcen und Ressourcenverbünde wiederherstellen
Ein DRP ist sinnvoll, wenn die Wiederherstellung einer wichtigen Ressource mehr erfordert als eine einfache, bereits bekannte Routine. Das kann IT-Infrastruktur betreffen, aber ebenso eine technische Anlage, Gebäudeversorgung oder einen Verbund voneinander abhängiger Ressourcen. In diesem Beitrag verwenden wir „DRP“ für einen solchen Ressourcenverbund. In anderen Organisationen kann dafür die Bezeichnung „Wiederanlaufplan“ passender sein.
Was ein DRP festhält
Der DRP benennt die enthaltenen Ressourcen, ihre Vorleistungen und die Reihenfolge der Wiederherstellung. Er hält fest, welche Sicherheitsfreigaben vor Eingriffen nötig sind, wer die Arbeiten ausführt, woran die wiederhergestellte Funktion erkannt wird und wie sie an den Prozessbetrieb zurückgegeben wird. Bei Gefahr für Menschen oder Umwelt haben Schutzmaßnahmen Vorrang vor einer Zielzeit. Für komplexe IT-Systeme empfiehlt auch NIST eine nachvollziehbare Reihenfolge und überprüfbare Wiederherstellungsschritte.[2]
Zuschnitt der Pläne
Nicht jede einzelne Ressource braucht einen eigenen DRP. Zusammengehörige Ressourcen können in einem Plan stehen, wenn ihre Abhängigkeiten, Zuständigkeiten und Wiederherstellung sinnvoll gemeinsam beschrieben werden können. Umgekehrt kann ein DRP mehrere BCPs unterstützen. Er sollte deshalb die betroffenen Prozesse und Mindestbetriebsziele ausdrücklich nennen.
So werden die Vorlagen genutzt
Vom Prozess zum Ressourcenverbund
Beginnen Sie mit einem klar abgegrenzten Prozess und seinen zeitlichen Ausfallfolgen. Formulieren Sie danach den Mindestbetrieb als überprüfbare Teilziele. Ordnen Sie diesen Zielen die benötigten Ressourcen, Kontakte und vorbereiteten Ersatzmöglichkeiten zu. Erst aus diesen Anforderungen ergibt sich, welche Ressourcenverbünde einen DRP benötigen und welche Zielzeit deren Wiederherstellung einhalten muss.
Pläne prüfen und üben
Prüfen Sie beide Pläne anschließend mit den zuständigen Fachbereichen und in einer Übung: Sind die Kontakte erreichbar? Sind Ersatzwege unter den beschriebenen Bedingungen möglich? Dauern Freigabe und Wiederherstellung länger als angenommen? Halten Sie die Ergebnisse in einem separaten Prüf- oder Übungsprotokoll fest und aktualisieren Sie die Pläne. Ein ausgefülltes Muster ersetzt weder eine fachliche Prüfung noch geltende Sicherheitsanweisungen.
Vorlagen für BCP und DRP
Allgemeine Arbeitsvorlagen zum Anpassen an die eigene Organisation. Sie sind keine zertifizierten und keine ohne Anpassung einsatzbereiten Notfallpläne.
Weiterführend
Vertiefungen bei NOVELEDGE
- Business Impact Analyse bei NOVELEDGE – wie Ausfallfolgen und Zeitanforderungen ermittelt werden
- BCM-Begriffe RTO, MTPD und MBCO – Zielzeiten und Mindestbetrieb im Zusammenhang
Quellen
Standards und Leitfäden
Die Begriffe und Zusammenhänge in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden frei verfügbaren Quellen.
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: BSI-Standard 200-4 – Business Continuity Management. Version 1.0, 2023. Herangezogen: Business Impact Analyse sowie Geschäftsfortführungs- und Wiederanlaufplanung. Frei verfügbar beim BSI. ↑
- National Institute of Standards and Technology: NIST Special Publication 800-34 Rev. 1 – Contingency Planning Guide for Federal Information Systems. 2010. Herangezogen: Wiederherstellungsphase (Recovery Phase). Frei verfügbar bei NIST. ↑




