Fachbegriffe verständlich erklärt

NOVELEDGE · Wissensbasis

Begriffe verstehen. Zusammenhänge erkennen.

Verfasst von Christian Horres · NOVELEDGE · Stand: 27.10.2026

Dieses Glossar erklärt zentrale Begriffe rund um Resilienz – aus Business Continuity Management, Business Impact Analyse, Risiko- und Krisenmanagement, organisationaler und digitaler Resilienz sowie aus Ermittlung und Beweissicherung, Kommunikation und Wissensmanagement. Die Definitionen sind bewusst allgemeinverständlich und als fachlich fundierte Paraphrasen formuliert.

Zentral für NOVELEDGE: Dieses artikelübergreifende Glossar gilt für die gesamte Website. Es wird fortlaufend um Fachbegriffe aus allen Fachbeiträgen, Werkzeugen, Veranstaltungen und Lerninhalten ergänzt und bildet damit die gemeinsame Begriffsbasis von NOVELEDGE.

Wichtig: Begriffe, Schwellen und Rollen müssen in jeder Organisation verbindlich festgelegt werden. Gesetzliche oder vertragliche Definitionen gehen dieser Orientierung vor.

A

Abhängigkeit

Abhängigkeit: Eine Beziehung, durch die ein Produkt, Service, Prozess oder eine Ressource auf die Verfügbarkeit oder Leistung eines anderen Elements angewiesen ist. Für BCM sind Richtung, Mindestkapazität, zeitlicher Vorlauf und gemeinsame Fehlerursachen wichtiger als eine bloße Ja-Nein-Angabe.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021, BSI-Standard 200-4

APIApplication Programming Interface

API – Application Programming Interface: Programmierschnittstelle, über die Systeme Daten oder Funktionen strukturiert austauschen. Im BCM kann eine API beispielsweise aktuelle Anlagen-, Lieferanten- oder Servicedaten bereitstellen.

Audit

Audit: Systematische, unabhängige und dokumentierte Prüfung, ob festgelegte Anforderungen erfüllt werden. Ein Audit bewertet Nachweise und die Funktionsweise des Managementsystems; es ersetzt keine Übung der operativen Reaktion.

Orientierung: ISO 22301:2019

Ausfall

Ausfall: Zustand, in dem eine benötigte Leistung oder Ressource ganz oder teilweise nicht verfügbar ist. Im BCM werden neben Totalausfällen auch Kapazitäts-, Qualitäts- und Standortverluste betrachtet.

Orientierung: BSI-Standard 200-4

Ausfallszenario

Ausfallszenario: Annahme darüber, welche Ressourcenkategorie nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist, etwa Personal, Gebäude, IT, Produktionsmittel oder externe Dienstleistung. Das Szenario hilft, Strategien ursachenunabhängig zu planen.

Orientierung: BSI-Standard 200-4

Ausweichstandort

Ausweichstandort: Vorbereiteter alternativer Ort, von dem priorisierte Tätigkeiten fortgeführt oder wiederaufgenommen werden können. Entscheidend sind Kapazität, Erreichbarkeit, technische Ausstattung und die Unabhängigkeit vom Primärstandort.

Orientierung: ISO 22301:2019, BSI-Standard 200-4

B

BCPBusiness Continuity Plan

BCP – Business Continuity Plan: Dokumentierter Plan mit Rollen, Verfahren, Informationen und Maßnahmen zur Fortführung oder Wiederherstellung priorisierter Tätigkeiten nach einer Unterbrechung. Ein BCP muss zugänglich, gepflegt und geübt sein.

Orientierung: ISO 22300:2025, ISO 22301:2019Weiterlesen: Business Continuity Management

BCMSBusiness Continuity Management System

BCMS – Business Continuity Management System: Managementsystem zur Planung, Einführung, Durchführung, Überwachung, Überprüfung, Aufrechterhaltung und fortlaufenden Verbesserung des BCM. Es verbindet Governance, Prozesse, Rollen, Ressourcen und Nachweise.

Orientierung: ISO 22301:2019Weiterlesen: Business Continuity Management

Befragung

Befragung: Gespräch zur Gewinnung von Informationen, etwa in internen Ermittlungen oder mit Beschäftigten und Hinweisgebenden. Anders als die Vernehmung im Strafverfahren ist sie meist nicht förmlich geregelt; Freiwilligkeit, Fairness und eine sorgfältige Dokumentation sind dennoch entscheidend.

Orientierung: StPO

Beweissicherung

Beweissicherung: Erkennen, Erheben, Sichern und Dokumentieren von Beweismitteln – analog wie digital – so, dass Herkunft, Unversehrtheit und Aussagekraft später nachvollziehbar bleiben.

Orientierung: ISO 21043-1:2025, ISO/IEC 27037:2012

BSIBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

BSI – Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Deutsche Bundesbehörde für Informationssicherheit. Für BCM stellt sie mit dem BSI-Standard 200-4 eine ausführliche Umsetzungssystematik bereit.

Orientierung: BSI-Standard 200-4

Business Service

Business Service: Eine für interne oder externe Empfänger wahrnehmbare fachliche Leistung. Im integrierten BCM-Modell verbindet der Business Service Produkte, Prozesse, IT-/OT-Services, Personen und externe Partner.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021

C

Chain of CustodyBeweismittelkette

Chain of Custody: Lückenlose Dokumentation, wer ein Beweismittel wann, wo und wozu erhalten, übergeben, untersucht oder gelagert hat. Sie belegt, dass das Beweismittel weder verändert noch vertauscht wurde.

Orientierung: ISO 21043-1:2025, ISO/IEC 27037:2012

CIConfiguration Item

CI – Configuration Item: Ein in der Konfigurationsverwaltung geführtes Element, beispielsweise Anwendung, Server, Datenbank, Netzwerkkomponente oder Dokumentation. CIs unterstützen technische Services, sind aber nicht automatisch selbst geschäftskritisch.

CMDBConfiguration Management Database

CMDB – Configuration Management Database: Datenbank für Configuration Items und deren Beziehungen. Sie liefert technische Abhängigkeiten und Statusinformationen, ersetzt jedoch nicht die fachliche Kritikalitätsbewertung einer BIA.

D

Datenqualität

Datenqualität: Grad, in dem Daten für ihren vorgesehenen Zweck geeignet sind. Im BCM zählen insbesondere Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität, Eindeutigkeit, Konsistenz, Herkunft und fachliche Verantwortlichkeit.

Orientierung: ISO 22301:2019

Digitale Forensik

Digitale Forensik: Methodisches Sichern, Untersuchen und Auswerten digitaler Spuren, etwa von Datenträgern, Protokolldaten oder Mobilgeräten, mit dem Ziel reproduzierbarer und gerichtsverwertbarer Ergebnisse. Grundsatz: Originale bleiben unverändert, gearbeitet wird mit forensischen Kopien.

Orientierung: ISO/IEC 27037:2012

Disaster RecoveryDR

Disaster Recovery – DR: Technische und organisatorische Wiederherstellung von IT- und Kommunikationsdiensten nach einer schweren Störung. Disaster Recovery ist ein Teil der Business Continuity, nicht deren vollständiger Ersatz.

Orientierung: ISO 22301:2019Weiterlesen: RTO, RPO, RTA und SLA im BCM

DORADigital Operational Resilience Act

DORA – Digital Operational Resilience Act: EU-Verordnung über die digitale operationale Resilienz des Finanzsektors. Sie bündelt Anforderungen unter anderem an IKT-Risikomanagement, Vorfallmeldungen, Tests und Risiken durch IKT-Drittdienstleister.

Orientierung: Verordnung (EU) 2022/2554

E

EAMEnterprise Asset Management

EAM – Enterprise Asset Management: Systematische Verwaltung physischer Anlagen über ihren Lebenszyklus, einschließlich Standort, Zustand, Wartung, Ersatzteilen und technischen Abhängigkeiten.

ERPEnterprise Resource Planning

ERP – Enterprise Resource Planning: Integrierte Unternehmenssoftware für Geschäfts- und Ressourcenprozesse. BCM-relevant sind beispielsweise Produkt-, Auftrags-, Bestands-, Einkaufs-, Produktions- und Finanzdaten.

Eskalation

Eskalation: Geregelte Weitergabe eines Ereignisses oder einer Entscheidung an eine höhere fachliche oder hierarchische Ebene. Kriterien, Zuständigkeiten und Kommunikationswege sollten vorab definiert sein.

Orientierung: ISO 22301:2019Weiterlesen: Krisenmanagement

ETLExtract, Transform, Load

ETL – Extract, Transform, Load: Verfahren, bei dem Daten aus Quellen entnommen, nach festgelegten Regeln umgewandelt und in ein Zielsystem geladen werden. Für BCM müssen Mapping, Aktualität und Fehlerbehandlung nachvollziehbar sein.

F

Failover

Failover: Geplanter oder automatischer Wechsel von einem ausgefallenen System auf eine alternative Instanz. Ein technischer Failover beweist erst dann Business Continuity, wenn die fachliche Leistung in erforderlicher Zeit und Qualität nutzbar ist.

Fähigkeitslücke

Fähigkeitslücke: Nachweisbare Differenz zwischen benötigter und tatsächlich verfügbarer Wiederherstellungs- oder Fortführungsfähigkeit. Ein Beispiel ist ein RTO von vier Stunden bei einer gemessenen RTA von acht Stunden.

Orientierung: BSI-Standard 200-4Weiterlesen: RTO, RPO, RTA und SLA im BCM

G

Governance

Governance: Rahmen aus Entscheidungsrechten, Verantwortlichkeiten, Kontrolle und Rechenschaft. BCM-Governance legt unter anderem fest, wer Toleranzen bestimmt, Daten verantwortet, Strategien freigibt und Abweichungen akzeptiert.

Orientierung: ISO 22301:2019

Gross Profit

Gross Profit: Umsatz abzüglich direkt zurechenbarer Herstellungs- oder Beschaffungskosten. Die Kennzahl kann wirtschaftliche Prioritäten unterstützen, darf aber rechtliche, sicherheitsbezogene oder gesellschaftliche Auswirkungen nicht verdrängen.

Weiterlesen: Financial Impact in der BIA

H

HRHuman Resources

HR – Human Resources: Personalbereich und zugehörige Systeme. Für BCM sind vor allem Rollen, Mindestbesetzung, Qualifikationen, Berechtigungen, Vertretungen, Schichtmodelle und geografische Konzentrationen relevant.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021

I

Incident Management

Incident Management: Strukturierter Umgang mit Ereignissen und Störungen, um Auswirkungen zu begrenzen und den normalen Service möglichst schnell wiederherzustellen. Bei größerer Tragweite kann eine Eskalation in Notfall- oder Krisenstrukturen erforderlich sein.

Individuelle Resilienz

Individuelle Resilienz: Psychische Widerstandskraft einzelner Menschen: die Fähigkeit, Belastungen und Krisen zu bewältigen, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen. In Organisationen trägt sie zur Handlungsfähigkeit von Krisenstab, Führungskräften und Einsatzkräften bei.

Informationssicherheit

Informationssicherheit: Schutz von Informationen insbesondere hinsichtlich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. BCM fokussiert die Fortführung und Wiederherstellung kritischer Leistungen; beide Disziplinen überschneiden sich, sind aber nicht identisch.

Weiterlesen: Resilienz als Gesamtsystem

Interne ErmittlungInternal Investigation

Interne Ermittlung: Untersuchung möglicher Regelverstöße innerhalb einer Organisation, etwa bei Betrug, Korruption oder Datenabfluss. Sie klärt den Sachverhalt, sichert Beweise und schafft eine Entscheidungsgrundlage; Arbeits- und Datenschutzrecht setzen dabei Grenzen.

ISOInternational Organization for Standardization

ISO – International Organization for Standardization: Internationale Normungsorganisation. Für BCM und Resilienz sind unter anderem ISO 22300, ISO 22301, ISO 22313 und ISO/TS 22317 relevant.

Orientierung: ISO 22300:2025, ISO 22301:2019

ITInformation Technology

IT – Information Technology: Informationstechnik zur Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Informationen. Im BCM wird sie idealerweise als Servicekette von der fachlichen Leistung bis zur Infrastruktur betrachtet.

K

Kaskadeneffekt

Kaskadeneffekt: Weitergabe oder Verstärkung einer Störung über verbundene Abhängigkeiten. Ein lokaler Ausfall kann dadurch mehrere Prozesse, Standorte, Lieferanten oder Sektoren zeitversetzt betreffen.

Orientierung: ISO 31000:2018Weiterlesen: Risikoaggregation

Kernbotschaft

Kernbotschaft: Kurze, verständliche Aussage, die das Wichtigste einer Mitteilung auf den Punkt bringt und in allen Kanälen gleich lautet. In Krisen bildet sie die Grundlage für Sprachregelungen und Stellungnahmen.

Orientierung: ISO 22361:2022

Kopfmonopol

Kopfmonopol: Situation, in der kritisches Wissen nur bei einer einzelnen Person liegt. Fällt sie aus, fehlen Kenntnisse für Betrieb oder Wiederanlauf – das Kopfmonopol ist damit ein personeller Single Point of Failure.

Orientierung: ISO 30401:2018

KPIKey Performance Indicator

KPI – Key Performance Indicator: Kennzahl zur Messung von Leistung oder Zielerreichung. BCM-KPIs sollten nicht nur erledigte Aktivitäten zählen, sondern auch tatsächliche Fähigkeiten, Ergebnisse und Trends abbilden.

Orientierung: ISO 22301:2019

KRIKey Risk Indicator

KRI – Key Risk Indicator: Früh- oder Belastungsindikator für die Entwicklung eines Risikos. Ein KRI zeigt Exposition oder Veränderung, beweist aber allein weder Eintritt noch konkrete Auswirkung.

Orientierung: ISO 31000:2018Weiterlesen: Risikomanagement

Krise

Krise: Instabile Lage mit hoher Unsicherheit und möglicher erheblicher Wirkung auf strategische Ziele, Existenz, Reputation oder Handlungsfähigkeit. Eine Krise erfordert häufig bereichsübergreifende Führung und priorisierte Entscheidungen.

Orientierung: ISO 22300:2025Weiterlesen: Krisenmanagement

Krisenkommunikation

Krisenkommunikation: Geplante Kommunikation einer Organisation vor, während und nach einer Krise mit internen und externen Zielgruppen. Ziel ist, schnell, abgestimmt und glaubwürdig zu informieren, Handlungsfähigkeit zu zeigen und Vertrauen zu erhalten.

Orientierung: ISO 22361:2022, BSI-Standard 200-4

Krisenmanagement

Krisenmanagement: Koordinierte Führungs- und Entscheidungsprozesse zur Bewältigung einer Krise. Dazu gehören Lagebild, Krisenorganisation, Entscheidungsrhythmus, Kommunikation, Dokumentation und Rückkehr in einen tragfähigen Betrieb.

Orientierung: ISO 22300:2025Weiterlesen: Krisenmanagement

Kritikalität

Kritikalität: Bedeutung eines Produkts, Prozesses oder einer Ressource für Ziele und Verpflichtungen der Organisation. Kritikalität entsteht relational aus Auswirkungen, Zeit, Abhängigkeiten und Toleranzen; sie ist keine universelle Eigenschaft.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021, BSI-Standard 200-4

KRITISKritische Infrastrukturen

KRITIS – Kritische Infrastrukturen: Organisationen und Anlagen, deren Leistungen für das Funktionieren des Gemeinwesens besonders bedeutsam sind. Die konkrete rechtliche Einordnung richtet sich nach den jeweils geltenden sektoralen Regelungen und Schwellenwerten.

Weiterlesen: KRITIS-Dachgesetz im Überblick

L

Lagebild

Lagebild: Verdichtete, zeitbezogene Darstellung entscheidungsrelevanter Fakten, Unsicherheiten, Auswirkungen und Entwicklungen. Ein gutes Lagebild trennt Beobachtung, Bewertung, Annahme und Prognose.

Weiterlesen: NOVELEDGE Resilienzradar

Lessons Learned

Lessons Learned: Strukturierte Auswertung von Ereignissen, Übungen oder Projekten: Was lief gut, was nicht, was ändern wir? Wirksam wird sie erst, wenn Maßnahmen festgelegt, umgesetzt und überprüft werden.

Orientierung: ISO 22301:2019, BSI-Standard 200-4

Lieferkettenresilienz

Lieferkettenresilienz: Fähigkeit eines Liefer- oder Wertschöpfungsnetzes, Störungen vorzubereiten, zu absorbieren, sich anzupassen und die erforderliche Leistung wiederherzustellen. Mehrere Lieferanten sind nur dann belastbare Redundanz, wenn sie ausreichend unabhängig und verfügbar sind.

Orientierung: ISO 22300:2025Weiterlesen: Supply Chain Resilience

M

MBCOMinimum Business Continuity Objective

MBCO – Minimum Business Continuity Objective: Von der Organisation akzeptiertes Mindestniveau einer Leistung oder eines Produkts während einer Unterbrechung. Es konkretisiert, was im Notbetrieb mindestens geliefert werden muss.

Orientierung: ISO 22300:2025, ISO 22301:2019

MDMMaster Data Management

MDM – Master Data Management: Regeln, Rollen und Verfahren zur konsistenten Verwaltung zentraler Stammdaten und Identitäten über mehrere Systeme hinweg. Für ein integriertes BCM-Modell schafft MDM stabile Referenzen.

Mindestbetriebsniveau

Mindestbetriebsniveau: Kleinste noch akzeptable Kapazität oder Qualität einer priorisierten Tätigkeit im Notbetrieb. Es sollte messbar sein, einen Zeitraum besitzen und mit Ressourcenanforderungen verbunden werden.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021, BSI-Standard 200-4

MTPDMaximum Tolerable Period of Disruption

MTPD – Maximum Tolerable Period of Disruption: Zeitraum, nach dessen Ablauf die Auswirkungen einer Unterbrechung das von der Organisation tolerierte Maß überschreiten. Die MTPD ist eine Belastungsgrenze und kein technischer Wiederherstellungswert.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021, BSI-Standard 200-4Weiterlesen: RTO, RPO, RTA und SLA im BCM

MTTRMean Time to Repair / Restore

MTTR – Mean Time to Repair / Restore: Statistische mittlere Zeit zur Reparatur oder Wiederherstellung eines technischen Elements. Sie beschreibt vergangene oder erwartete technische Leistung und ist nicht mit dem fachlich gesetzten RTO gleichzusetzen.

N

NIS2Network and Information Security Directive 2

NIS2 – Network and Information Security Directive 2: EU-Richtlinie 2022/2555 für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau. Sie adressiert unter anderem Risikomanagementmaßnahmen, Verantwortung der Leitung, Meldepflichten und Aufsicht für erfasste Einrichtungen.

Orientierung: Richtlinie (EU) 2022/2555Weiterlesen: NIS2 in Deutschland

Notbetrieb

Notbetrieb: Zeitlich begrenzter Betriebszustand mit vereinfachten Verfahren, reduzierter Kapazität oder Ersatzressourcen. Umfang, Prioritäten, Mindestleistung und Übergang zurück zum Normalbetrieb müssen vorab definiert werden.

Orientierung: BSI-Standard 200-4

Notfall

Notfall: Ereignis oder Lage, die den normalen Betrieb erheblich beeinträchtigt und besondere Maßnahmen erfordert. Organisationen sollten Schwellen und die Abgrenzung zu Störung und Krise verbindlich festlegen.

Orientierung: BSI-Standard 200-4Weiterlesen: Krisenmanagement

O

Operational Resilience

Operational Resilience: Fähigkeit, wichtige operative Leistungen trotz Störungen innerhalb festgelegter Toleranzen bereitzustellen. Der Ansatz verbindet Prävention, Reaktion, Wiederherstellung, Lernen und die Steuerung von Abhängigkeiten.

Orientierung: Verordnung (EU) 2022/2554Weiterlesen: Resilienz als Gesamtsystem

Organisationale Resilienz

Organisationale Resilienz: Fähigkeit einer Organisation, Veränderungen und Störungen vorauszusehen, sich darauf vorzubereiten, darauf zu reagieren und sich anzupassen, um ihre Ziele weiter zu erreichen und sich weiterzuentwickeln.

Orientierung: ISO 22316:2017

OTOperational Technology

OT – Operational Technology: Technik zur Überwachung oder Steuerung physischer Prozesse, etwa Produktionsanlagen, Gebäudeleittechnik oder Versorgungsinfrastruktur. OT erfordert häufig besondere Sicherheits-, Verfügbarkeits- und Wiederanlaufbedingungen.

P

PDCAPlan – Do – Check – Act

PDCA – Plan – Do – Check – Act: Managementzyklus aus Planen, Umsetzen, Überprüfen und Verbessern. Im BCMS sorgt er dafür, dass Erkenntnisse aus Tests, Vorfällen, Audits und Kennzahlen in konkrete Verbesserungen überführt werden.

Orientierung: ISO 22301:2019

Prozess-Owner

Prozess-Owner: Rolle mit fachlicher Verantwortung für Ziel, Ausgestaltung, Leistung und Weiterentwicklung eines Prozesses. Im BCM bestätigt sie Auswirkungen, Zeitziele, Mindestbetrieb und Abhängigkeiten; die konkrete Governance bleibt organisationsindividuell.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021

R

Recovery Strategy

Recovery Strategy: Grundsätzlicher Lösungsweg zur Wiederherstellung einer priorisierten Tätigkeit oder Ressource, etwa Ersatzstandort, Redundanz, manuelles Verfahren, Bestandsstrategie oder alternative Lieferquelle. Sie wird durch Pläne, Ressourcen und Tests operationalisiert.

Orientierung: ISO 22301:2019, BSI-Standard 200-4Weiterlesen: Business Continuity Management

Redundanz

Redundanz: Zusätzliche, funktionsfähige Kapazität, die beim Ausfall eines Elements übernehmen kann. Redundanz ist nur wirksam, wenn sie nicht derselben Fehlerursache unterliegt und rechtzeitig in ausreichender Leistung verfügbar ist.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021Weiterlesen: Supply Chain Resilience

Resilienz

Resilienz: Fähigkeit einer Organisation, auf Veränderungen und Störungen vorbereitet zu sein, Auswirkungen aufzunehmen, sich anzupassen, zu reagieren und sich zu erholen. Resilienz ist ein Ergebnis mehrerer Fähigkeiten, nicht nur eines Plans.

Orientierung: ISO 22300:2025Weiterlesen: Resilienz als Gesamtsystem

Restrisiko

Restrisiko: Risiko, das nach Berücksichtigung bestehender Maßnahmen und Kontrollen verbleibt. Es muss gegenüber Risikokriterien bewertet, verantwortet und gegebenenfalls weiter behandelt werden.

Orientierung: ISO 31000:2018Weiterlesen: Risikomanagement

Rhetorik

Rhetorik: Lehre und Praxis wirkungsvollen Redens: Aufbau, Sprache, Stimme und Auftreten so wählen, dass eine Botschaft verstanden wird und überzeugt. In Krisen, Lagebesprechungen und Präsentationen entscheidet sie mit über Klarheit und Vertrauen.

Risiko

Risiko: Auswirkung von Unsicherheit auf Ziele. Ein Risiko wird im Kontext seiner Ursachen, Ereignisse, Folgen, Wahrscheinlichkeiten, Abhängigkeiten und vorhandenen Kontrollen betrachtet.

Orientierung: ISO 31000:2018Weiterlesen: Risikomanagement

Risikoaggregation

Risikoaggregation: Zusammenführung einzelner Risiken unter Berücksichtigung von Abhängigkeiten, gemeinsamen Ursachen, Korrelationen und Kaskaden. Reines Addieren von Einzelwerten kann die Gesamtexposition über- oder unterschätzen.

Orientierung: ISO 31000:2018Weiterlesen: Risikoaggregation

Risikoanalyse

Risikoanalyse: Systematischer Schritt zur Bestimmung von Art und Ausmaß eines Risikos. Sie untersucht Ursachen, Szenarien, Folgen, Eintrittsmöglichkeiten, Kontrollen und Unsicherheiten als Grundlage für Bewertung und Behandlung.

Orientierung: ISO 31000:2018Weiterlesen: Risikomanagement

Risikokommunikation

Risikokommunikation: Austausch von Informationen über Risiken mit Beteiligten und Betroffenen – über Art, Ausmaß, Unsicherheiten und Maßnahmen. Sie ist Teil des Risikomanagementprozesses und läuft fortlaufend, nicht erst im Ereignisfall.

Orientierung: ISO 31000:2018

RTARecovery Time Actual

RTA – Recovery Time Actual: Tatsächlich erreichte Zeit bis zur Wiederherstellung in Test, Übung oder realem Ereignis. Der Vergleich RTA zu RTO macht nachgewiesene Fähigkeit und Fähigkeitslücken sichtbar.

Orientierung: BSI-Standard 200-4Weiterlesen: RTO, RPO, RTA und SLA im BCM

S

Schadensszenario

Schadensszenario: Beschreibung einer Auswirkungsart und ihrer möglichen Entwicklung, etwa finanzielle, rechtliche, gesundheitliche, operative oder reputative Schäden. Es ist vom Ausfallszenario der betroffenen Ressource zu unterscheiden.

Orientierung: BSI-Standard 200-4

Single Point of FailureSPOF

Single Point of Failure – SPOF: Ein einzelnes Element, dessen Ausfall eine gesamte Leistungskette unterbrechen kann, weil keine wirksame Alternative vorhanden ist. Ein SPOF kann technisch, personell, räumlich oder extern sein.

SLAService Level Agreement

SLA – Service Level Agreement: Vereinbarung über messbare Leistungsmerkmale eines Services, etwa Verfügbarkeit, Reaktions- oder Wiederherstellungszeit. Ein SLA ist eine Leistungszusage und nicht automatisch identisch mit dem fachlich benötigten RTO.

Weiterlesen: RTO, RPO, RTA und SLA im BCM

Sprachregelung

Sprachregelung: Abgestimmte Formulierungen, mit denen alle Sprechenden einer Organisation zu einem Thema dieselbe Linie vertreten. Sie verhindert widersprüchliche Aussagen, besonders in Krisen.

Orientierung: ISO 22361:2022

Spurensicherung

Spurensicherung: Teil der Beweissicherung: Auffinden, Dokumentieren und Sichern materieller Spuren am Ereignisort, etwa Finger-, DNA- oder Werkzeugspuren, damit sie später untersucht werden können.

Orientierung: ISO 21043-1:2025

Stakeholder

Stakeholder: Person oder Organisation, die Entscheidungen oder Tätigkeiten beeinflussen kann, davon beeinflusst wird oder sich als betroffen wahrnimmt. Im BCM können dies Beschäftigte, Kunden, Behörden, Lieferanten oder die Öffentlichkeit sein.

Orientierung: ISO 22300:2025

Stresstest

Stresstest: Gezielte Prüfung einer Organisation, Entscheidung oder Fähigkeit unter anspruchsvollen, aber plausiblen Bedingungen. Ein Stresstest untersucht Belastungsgrenzen; eine Übung trainiert zusätzlich das Zusammenspiel von Rollen und Abläufen.

Orientierung: ISO 22301:2019

Substituierbarkeit

Substituierbarkeit: Grad, in dem eine Ressource, Person, Technologie oder externe Leistung innerhalb der erforderlichen Zeit, Kapazität und Qualität ersetzt werden kann. Vertragliche Alternativen sind ohne Qualifikation und Verfügbarkeit keine wirksamen Substitute.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021Weiterlesen: Supply Chain Resilience

T

Toleranzschwelle

Toleranzschwelle: Von der Organisation festgelegte Grenze, bis zu der Auswirkungen, Abweichungen oder Risiken akzeptiert werden. Toleranzen müssen zu Zielen, Verpflichtungen und Risikotragfähigkeit passen und verantwortet werden.

Orientierung: ISO 31000:2018, ISO/TS 22317:2021

U

UIDUnique Identifier

UID – Unique Identifier: Dauerhafte eindeutige Kennung eines Datenobjekts. Sie hält Beziehungen auch dann stabil, wenn Namen, Organisationseinheiten, Sprachen oder Quellsysteme wechseln.

Ü

Übung

Übung: Geplante Aktivität, mit der Rollen, Verfahren, Entscheidungen, Kommunikation und Zusammenarbeit unter angenommenen Bedingungen trainiert oder bewertet werden. Ergebnisse müssen dokumentiert und in Verbesserungen überführt werden.

Orientierung: ISO 22301:2019

V

Verfügbarkeit

Verfügbarkeit: Eigenschaft, bei Bedarf zugänglich und nutzbar zu sein. Prozentwerte allein reichen im BCM nicht: relevant sind auch Dauer, Kapazität, geografische Verteilung und die Auswirkung konkreter Unterbrechungen.

Vernehmung

Vernehmung: Förmliche Befragung einer Person durch Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht zu einem Sachverhalt – als Beschuldigte, Zeuge oder Sachverständige. Belehrungspflichten sowie Aussage- und Zeugnisverweigerungsrechte sind gesetzlich geregelt.

Orientierung: StPO

Vertretungsregelung

Vertretungsregelung: Festlegung, wer eine Rolle bei Abwesenheit übernimmt. Belastbar ist sie nur, wenn die Vertretung verfügbar, qualifiziert, berechtigt, informiert und nicht derselben Ausfallursache ausgesetzt ist.

Orientierung: ISO/TS 22317:2021

W

Wiederanlauf

Wiederanlauf: Geordnete Wiederaufnahme einer unterbrochenen Tätigkeit oder eines Systems, häufig zunächst mit reduzierter Kapazität. Der Wiederanlauf endet nicht zwingend mit der vollständigen Rückkehr zum Normalbetrieb.

Orientierung: BSI-Standard 200-4Weiterlesen: RTO, RPO, RTA und SLA im BCM

Wissensmanagement

Wissensmanagement: Systematischer Umgang mit dem Wissen einer Organisation: Wissen erkennen, entwickeln, teilen, bewahren und nutzen. Für die Resilienz zählt besonders, dass kritisches Wissen nicht an einzelnen Personen hängt.

Orientierung: ISO 30401:2018

Wissenstransfer

Wissenstransfer: Weitergabe von Wissen und Erfahrung zwischen Personen, Teams oder Generationen, etwa bei Stellenwechsel, Ruhestand oder Vertretung. Er umfasst neben Dokumenten auch implizites Erfahrungswissen.

Orientierung: ISO 30401:2018

Workaround

Workaround: Vorübergehendes alternatives Verfahren, mit dem eine Leistung trotz Störung erbracht wird. Ein Workaround benötigt dokumentierte Grenzen, Mindestressourcen, Sicherheitsregeln und ein Rückkehrverfahren.

Orientierung: BSI-Standard 200-4

WRTWork Recovery Time

WRT – Work Recovery Time: In manchen Organisationen verwendete Zeit für fachliche Aufräum-, Prüf- und Anlaufarbeiten nach technischer Wiederherstellung. Der Begriff ist nicht überall gleich definiert und sollte lokal eindeutig beschrieben werden.

Weiterlesen: RTO, RPO, RTA und SLA im BCM

Z