Resilienz als Gesamtsystem

Zuletzt aktualisiert:

Resilienz entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch ein integriertes Gesamtsystem. Der Artikel zeigt, wie BCM, Risikomanagement und Informationssicherheit über Impact-Analysen (MTPD, RTO, RTA, CIA) verzahnt werden können. Entscheidend ist der Abgleich zwischen Prozessen, Ressourcen und Informationsobjekten. Organisationen sollten dabei nicht nur Normen wie ISO 22301, ISO/IEC 27001 oder NIS 2 berücksichtigen, sondern einen individuellen Ansatz entwickeln, der die Anforderungen der Resilienz-Community passgenau integriert.
Besprechung am Whiteboard mit einem Schaubild, das Business Continuity, Risikomanagement und Informationssicherheit verbindet

Organisatorische Resilienz entsteht nicht aus einer einzelnen Disziplin, sondern aus dem Zusammenwirken von Managementsystemen, Führung und Kultur. Dieser Grundlagenbeitrag stellt das NOVELEDGE-Wirkungsmodell vor: wie Managementsysteme auf die Resilienz einwirken, wie Resilienz die Leistung einer Organisation stützt und warum der Nutzen am Ende für jede Organisation eigens bestimmt werden muss. Alle weiteren Fachbeiträge greifen das Modell als Bausteine auf und zeigen, an welcher Stelle sie ansetzen.

Inhaltsverzeichnis

Das Wirkungsmodell

Wie Managementsysteme über Resilienz zum Nutzen beitragen

Resilienz ist kein Selbstzweck. Sie soll dazu beitragen, dass eine Organisation auch unter Störungen ihre Leistung erbringt und ihre Ziele erreicht. Das NOVELEDGE-Wirkungsmodell ordnet die Zusammenhänge in vier Stationen und drei Brücken. Es ist der gemeinsame Bezugsrahmen aller Fachbeiträge: Jeder Baustein-Beitrag zeigt dieselbe Grafik und hebt hervor, an welcher Stelle er ansetzt.

Wirkungsmodell: Von Managementsystemen zum Nutzen der Organisation

Resilienzwirkung

1

Management­systeme

BCM und weitere Disziplinen, die auf die Resilienz einwirken

2

Organisationale Resilienz

Fähigkeit, Störungen zu bewältigen und sich anzupassen:

  • Antizipieren
  • Absorbieren
  • Wiederherstellen
  • Anpassen

Wertbeitrag

3

Business Performance

Finanzielle und nicht finanzielle Leistung

4

Ökonomischer Nutzen

Je Organisation festgelegt: nach Form, Eigentümern und Auftrag

1 Managementsysteme im Modell

A Reifegrad

Wie gut ist ein Managementsystem aufgestellt? Systemisch in fünf Stufen (geplant, gesteuert, etabliert, messbar, kontinuierlich verbessert) und operativ an seiner Wirksamkeit gemessen.

B Zusammenhangsmodell

Welche Disziplin wirkt wie auf welche Resilienzdimension? Effekt-Matrix und die Frage, ob BCM einen Beitrag leistet oder die Beiträge orchestriert.

C Zielbild

Welche Performance zählt und welcher Nutzen steht im Fokus? Für jede Organisation eigens abzuleiten.

NOVELEDGE-Wirkungsmodell der organisationalen Resilienz.

Vier Stationen

Von der Disziplin bis zum Nutzen

  • 1 Managementsysteme. Business Continuity Management ist ein Managementsystem, das priorisierte Aktivitäten und Leistungen sichert.[1] Daneben wirken Risikomanagement, Informations- und Cybersicherheit, physische Sicherheit, Notfall- und Krisenmanagement, Lieferkettenmanagement, Compliance, Nachhaltigkeit sowie Qualitäts-, Arbeits- und Umweltschutz auf die Resilienz ein. Im Modell verstehen wir BCM als Fähigkeit, über die ausgewählte Resilienzfähigkeiten systematisch aufgebaut, koordiniert und überprüft werden.
  • 2 Organisationale Resilienz. ISO 22316 beschreibt sie als Fähigkeit einer Organisation, Veränderungen aufzunehmen und sich anzupassen.[2] Das Modell unterscheidet vier Dimensionen: Störungen antizipieren, ihre Wirkung absorbieren, Leistungen wiederherstellen und sich an veränderte Bedingungen anpassen – angelehnt an die Ziele der Cyber-Resilienz nach NIST: antizipieren, standhalten, wiederherstellen und anpassen.[3] Empirische Studien zum BCM arbeiten bislang meist mit zwei Dimensionen: geplanter und adaptiver Resilienz.[4]
  • 3 Business Performance. Resilienz wirkt auf die finanzielle Leistung, etwa Ergebnis, Liquidität und Umsatz, und auf die nicht finanzielle Leistung, etwa Kundenzufriedenheit, Lieferfähigkeit und Reputation.
  • 4 Ökonomischer Nutzen. Was als Nutzen zählt, ist nicht allgemein festgelegt. Für ein börsennotiertes Unternehmen stehen etwa Unternehmenswert und Ausschüttung im Vordergrund, für ein Familienunternehmen eher Fortbestand und Unabhängigkeit, für einen Betreiber kritischer Infrastruktur die Versorgungssicherheit bei wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Diese Station muss deshalb für jede Organisation eigens definiert werden – abhängig von Organisationsform, Eigentümern und Auftrag. Erst daraus ergibt sich, welche Performance im Fokus steht und worauf die Resilienz ausgerichtet sein muss.

Drei Brücken

Wie die Wirkung entsteht und überprüft wird

A Reifegrad. Ob ein Managementsystem wirkt, hängt davon ab, wie weit es entwickelt ist. Systemisch lässt sich der Reifegrad eines BCMS in fünf Stufen beschreiben, wie sie das BSI für die Nachweisprüfung kritischer Infrastrukturen verwendet: geplant, gesteuert, etabliert, messbar und kontinuierlich verbessert.[5] Operativ zählt die Wirksamkeit – etwa ob Wiederanlaufzeiten in Übungen und realen Vorfällen tatsächlich eingehalten werden. Ein formal hoher Reifegrad ist nicht automatisch wirksam.

B Zusammenhangsmodell. Welche Disziplin welchen Beitrag zu welcher Resilienzdimension leistet, ist bislang kaum systematisch belegt. Die Effekt-Matrix macht diese Frage sichtbar; ihre Felder werden mit den Bausteinen dieser Reihe und mit neuen Befunden schrittweise gefüllt.

Effekt-Matrix: Welche Disziplin wirkt auf welche Resilienzdimension?

ManagementdisziplinAntizipierenAbsorbierenWiederherstellenAnpassen
Business Continuity Management????
Risikomanagement????
Informationssicherheit????
Cybersicherheit????
Physische Sicherheit????
Notfall- und Krisenmanagement????
Lieferkettenmanagement????
Compliance und Governance????
Nachhaltigkeit????
Qualität, Arbeits- und Umweltschutz (QHSE)????

? = Beitrag noch nicht belegt. Die Felder werden gefüllt, sobald belastbare Befunde vorliegen.

NOVELEDGE-Wirkungsmodell der organisationalen Resilienz.

Offen ist auch, wie die Beiträge zusammenwirken. Im Beitragsmodell trägt jede Disziplin unmittelbar und nebeneinander zur Resilienz bei; BCM ist eine Disziplin unter mehreren. Im Orchestrierungsmodell bündelt BCM die Beiträge der anderen Disziplinen, richtet sie auf priorisierte Leistungen und Zeitvorgaben aus und überprüft sie. Welches Modell die Praxis besser beschreibt, und wo sich Disziplinen überschneiden, ist eine zentrale Frage dieser Reihe.

Zusammenhangsmodelle: Beitrag oder Orchestrierung?

Modell A: Beitragsmodell

Jede Disziplin – auch BCM – trägt unmittelbar und nebeneinander zur Resilienz bei.

  • Business Continuity Management
  • Risikomanagement
  • Informationssicherheit
  • Cybersicherheit
  • Physische Sicherheit
  • Notfall- und Krisenmanagement
  • Lieferkettenmanagement
  • Compliance und Governance
  • Nachhaltigkeit
  • Qualität, Arbeits- und Umweltschutz (QHSE)

Organisationale Resilienz

Modell B: Orchestrierungsmodell

BCM bündelt die Beiträge der Disziplinen, stimmt sie auf priorisierte Leistungen ab und überprüft sie.

  • Risikomanagement
  • Informationssicherheit
  • Cybersicherheit
  • Physische Sicherheit
  • Notfall- und Krisenmanagement
  • Lieferkettenmanagement
  • Compliance und Governance
  • Nachhaltigkeit
  • Qualität, Arbeits- und Umweltschutz (QHSE)

BCM: Integration und Orchestrierung

Organisationale Resilienz

NOVELEDGE-Wirkungsmodell der organisationalen Resilienz.

C Zielbild. Die letzte Brücke verbindet Performance und Nutzen. Sie legt fest, welche Leistung für die Organisation zählt und wie viel Störung sie wirtschaftlich verkraften kann. Wie sich daraus belastbare finanzielle Schwellen ableiten lassen, zeigen die Beiträge Vom geopolitischen Risiko zur finanziellen Resilienz und Financial Impact in der Business Impact Analysis.

Was die Forschung bisher zeigt

Erste Belege für die Wirkungskette

Für die Kette von BCM über Resilienz zur Performance gibt es erste empirische Hinweise, vor allem aus dem Tourismus:

  • Eine systematische Literaturauswertung leitet ein Modell ab, das BCM-Praktiken über geplante und adaptive Resilienz mit der Leistung kleiner und mittlerer Unternehmen verbindet.[4]
  • Eine Befragung von 331 Reiseveranstaltern zeigt, dass organisatorische Vorbereitung und die Verankerung von Kontinuitätspraktiken im Alltag mit der finanziellen und nicht finanziellen Leistung zusammenhängen.[6]
  • Eine Folgestudie mit 140 Reiseveranstaltern in Zentral-Java prüft die Kette über die Resilienz. Der stärkste Treiber ist die Verankerung der Kontinuitätspraktiken: Sie hängt deutlich mit geplanter Resilienz (β = 0,611) und adaptiver Resilienz (β = 0,535) zusammen; geplante Resilienz wiederum mit der finanziellen Leistung (β = 0,555). Unterstützung durch das Management, externe Anforderungen und Vorbereitung zeigten in dieser Stichprobe keinen signifikanten Einfluss.[7]

Für die Einordnung gilt: Die Studien stammen aus einer Branche und einer Region und beruhen auf Befragungen zu einem Zeitpunkt. Sie belegen Zusammenhänge, keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen, und kommen teils zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ob sich die Befunde von zwei auf die vier Resilienzdimensionen übertragen lassen und welche Rolle die übrigen Managementsysteme spielen, ist noch offen. Eine Tendenz ist dennoch erkennbar: Nicht das Vorhandensein eines BCM macht den Unterschied, sondern wie fest es im Alltag verankert ist.

Die Bausteine dieser Reihe

Wo die Fachbeiträge im Modell ansetzen

BausteinOrt im ModellBeitrag
Business Continuity ManagementStation 1, Brücke BBusiness Continuity Management
Business Impact AnalyseStation 1 (Kern des BCM)Business Impact Analyse
RisikomanagementStation 1Risikomanagement
RisikoaggregationStation 1 bis 3Risikoaggregation
InformationssicherheitStation 1Schutzziele der Informationssicherheit
Notfall- und KrisenmanagementStation 1Krisenmanagement
LieferketteStation 1, Brücke BSupply Chain Resilience
KRITIS-ResilienzplanStation 1 und 2KRITIS-Resilienzplan
Finanzielle ResilienzStation 3, Brücke CVom geopolitischen Risiko zur finanziellen Resilienz
Finanzielle SchwellenwerteBrücke CFinancial Impact in der BIA

Die folgenden Kapitel beschreiben die Grundlagen, auf denen das Modell aufbaut: die Resilienzprinzipien, das Zusammenspiel der Disziplinen, den Ablauf vom Ereignis zur Wiederherstellung und die Säulen der organisatorischen Resilienz.


Die Resilienzprinzipien

Organisatorische Resilienz entsteht nicht aus einer Einzeldisziplin, sondern aus dem koordinierten Zusammenspiel von Führung, Kultur, Information, Ressourcen, integrierten Managementdisziplinen und einem dauerhaften Verbesserungs- und Bewertungszyklus. ISO 22316[2] bildet dafür den normativen Rahmen; ISO 22301[8], ISO/IEC 27031, BS 65000, NIST[3] SP 800-160 Vol. 2 und ENISA ergänzen ihn um konkrete Leitplanken und Test-/Bewertungsansätze.

  1. Koordinierter Ansatz über Disziplinen
    Resilienz verlangt die Ausrichtung und Koordination von BCM, RM, ISMS, Krisenmanagement, Veränderungs-/Projektmanagement etc. (ISO 22316, 4.2; 5.8).
    Das Ziel: disziplinübergreifende Kohärenz statt Silos.
    Praxisanker: BS 65000 betont genau diese Integration auf strategischer Ebene; es ist ein Orientierungsstandard für organisatorische Resilienz.

  2. Gemeinsame Vision & Zielklarheit
    Eine klare, geteilte Zielrichtung schafft die Basis, um Entscheidungen im Sinne der Resilienz zu treffen (ISO 22316, 5.2).  
    Praxisanker: ISO 22301 ordnet Ziele ins Managementsystem ein (Kap. 6.2) und koppelt sie mit Messen/Review (Kap. 9).

  3. Kontext verstehen & aktiv beeinflussen
    Resiliente Organisationen verstehen ihren Kontext (interne/externe Abhängigkeiten, Stakeholder) und gestalten ihn mit (ISO 22316, 5.3; Einleitung).
    Praxisanker: ISO 22301 Kap. 4 (Kontext) und Verweise auf ISO 31000[9]/IEC 31010 schaffen die Risiko-Brücke.

  4. Wirksame, befähigende Führung
    Führung priorisiert Resilienz, stellt Mittel bereit und verankert Verantwortlichkeiten (ISO 22316, 5.4).
    Praxisanker: ISO 22301 Kap. 5 (Leadership) macht Führungsverantwortung und Politik verbindlich.

  5. Resilienzfördernde Kultur
    Kultur als Nährboden: Lern-, Melde- und Fehlerkultur sowie Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit (ISO 22316, 5.5).
    Praxisanker: Hollnagel’s vier Potenziale – Monitoren, Antizipieren, Reagieren, Lernen, operationalisieren Kultur in Verhalten.

  6. Gemeinsame Informationen & Wissen
    Informationsfluss und Wissensmanagement sind zentral (ISO 22316, 5.6).
    Praxisanker: ISO 22301 Kap. 7.4/7.5 (Kommunikation/Dokumentation) und 8.4.3 (Warnung/Kommunikation) binden Kommunikation in Pläne und Übungen ein.

  7. Verfügbarkeit & Anpassungsfähigkeit von Ressourcen
    Ressourcen (Menschen, Standorte, ICT, Lieferkette) verfügbar, skalierbar, umsteuerbar halten (ISO 22316, 5.7).
    Praxisanker: ISO/IEC 27031 liefert das Rahmenwerk für ICT-Readiness im Sinne der BC-Ziele (RTO/RPO, DR-Fähigkeiten).

  8. Kontinuierliche Verbesserung
    Resilienz entsteht aus Messung, Auswertung, Korrekturmaßnahmen (ISO 22316, 5.9; 6.1–6.4).
    Praxisanker: ISO 22301 Kap. 8.5 (Übungsprogramm), 8.6 (Bewertung), 9 (Leistungsbewertung), 10 (Verbesserung) – PDCA auf Resilienz gemappt.

  9. Antizipieren & Bewältigen von Veränderungen
    Proaktiv antizipieren, puffern, anpassen (ISO 22316, 5.10).
    Praxisanker: NIST SP 800-160 Vol. 2 beschreibt Cyber-Resilienz explizit als Anticipate – Withstand – Recover – Adapt (System-Ingenieuransatz, übertragbar auf OT/IT-Landschaften).

Praxis-Vertiefungen und Test-/Bewertungsbrücke

  • Testen & Üben als Resilienz-Motor:
    ISO 22301 fordert ein programmatisches Übungs-/Review-Regime mit Berichten und Maßnahmen (8.5, 8.6; PDCA 9–10). Damit werden Resilienzprinzipien mess- und nachweisbar (RTA ↔ RTO, Rollen/Kommunikation, Lieferkette).

  • ICT-Readiness konkretisieren: 
    ISO/IEC 27031 übersetzt Zielzeiten und Abhängigkeiten in IRBC-Fähigkeiten* (Monitoring, Wiederanlauf, Failover/DR, Übungstypen).

    *ICT Readiness for Business Continuity – also die Bereitschaft/Fähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), die Business Continuity zu unterstützen (ISO/IEC 27031).

  • Cyber-Resilienz operationalisieren: 
    NIST 800-160 Vol. 2 liefert Konstrukt-Kataloge (z. B. Deception, Diversity, Segmentation, Redundancy, Analytics) und Architektur-Patterns zur Umsetzung der vier Fähigkeiten.

  • Sektorale Stresstests: 
    European Network and Information Security Agency (ENISA) Handbook for Cyber Stress Tests (2025)* beschreibt aufsichtsnahe Resilienz-Stresstests (u. a. unter NIS2[10]/CER/DORA[11]) – gut nutzbar als Blaupause für organisationsweite Resilienzprüfungen (Abhängigkeiten, Systemik, Wiederanlauffähigkeit).

    *Leitfaden der EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA), der beschreibt, wie Behörden systematisch „Cyber-Stresstests“ für kritische Sektoren planen und durchführen können.

  • Strategischer Rahmen: BS 65000 (Guidance) stützt die „Gesamtsystem“-Perspektive und verweist auf Integration, Reife und Bewertung; trotz „withdrawn“ weiterhin als Referenzrahmen verbreitet.

Ein Zusammenspiel von Business Continuity, Risikomanagement und Informationssicherheit

Resilienz ist längst mehr als ein Schlagwort. Für Organisationen – ob Industrieunternehmen, kritische Infrastrukturen oder kleine und mittelständische Unternehmen – bedeutet Resilienz die Fähigkeit, Störungen und Krisen nicht nur zu überstehen, sondern gestärkt daraus hervorzugehen. Entscheidend ist hierbei, dass Resilienz nicht isoliert in einzelnen Fachbereichen gedacht wird, sondern als Gesamtsystem, das vorhandene Strukturen, Prozesse und Methoden integriert.

Ein zentrales Fundament für diese Betrachtung bilden Business Continuity Management (BCM), Risikomanagementund Informationssicherheit. Diese Systeme greifen unter anderem ineinander, wenn sie über eine Analyse miteinander verbunden werden.

Die Prozessperspektive

Von MTPD zu RTO

Jeder resiliente Ansatz beginnt mit den Prozessen. Sie erhalten im Rahmen einer Business Impact Analyse (BIA) zunächst eine Maximum Tolerable Period of Disruption (MTPD) – also die maximale Ausfallzeit, die nicht überschritten werden darf, ohne dass existenzielle Schäden drohen.

Aus dieser MTPD wird die Recovery Time Objective (RTO) abgeleitet: die angestrebte Wiederherstellungszeit, die sicherstellt, dass die MTPD nicht überschritten wird.

Ressourcen und deren Wiederanlauf

RTA im Fokus

Um die Prozesse innerhalb der RTO wiederherstellen zu können, müssen die notwendigen Ressourcen identifiziert werden: IT-Systeme, Anlagen, Gebäude, Personal oder auch externe Dienstleister. Für jede Ressource wird eine Recovery Time Actual (RTA) bestimmt, also die tatsächliche Wiederanlaufzeit.

Hier liegt der erste kritische Abgleich:

  • RTA vs. RTO – Kann die Ressource schnell genug wiederhergestellt werden, um den Prozess in der geforderten Zeit verfügbar zu machen?

  • RTA vs. MTPD – Wird die maximal tolerierbare Ausfallzeit insgesamt eingehalten?

Dieser Abgleich ist der zentrale Check im Modell: Nur wenn Prozesszeiten (MTPD/RTO) und Ressourcenzeiten (RTA) kompatibel sind, ist die Resilienz gewährleistet.

Risikourteilung

Secure

Mit dem zeitlichen Abgleich allein ist es nicht getan. Es bedarf einer Risikourteilung der Ressourcen: Welche Gefahren bedrohen ihre Verfügbarkeit? Welche Eintrittswahrscheinlichkeit und welches Schadensausmaß sind denkbar? Hier setzt das Risikomanagement an und definiert Maßnahmen, die die Ressourcen absichern. Dieser Aspekt wird im Modell mit dem Begriff Secure beschrieben.

Informationssicherheit

CIA-Level und Schutzbedarfsanalyse

Ressourcen beinhalten oft Informationsobjekte, deren Schutzbedarfe gesondert bewertet werden müssen. Die Informationssicherheit bringt hier die Schutzbedarfsanalyse ins Spiel, die sich an den CIA-Kriterien orientiert:

  • Confidentiality (Vertraulichkeit)
  • Integrity (Integrität)
  • Availability (Verfügbarkeit)

Besonders die Availability ist eng mit den zuvor ermittelten RTO-Werten verbunden. Informationsobjekte – und damit die Ressourcen, die sie tragen – müssen innerhalb der MTPD bzw. RTO verfügbar sein. Andernfalls entsteht eine direkte Lücke in der Resilienz.

Resilienz als Querschnittsaufgabe

Das Zusammenspiel aus BCM, Risikomanagement und Informationssicherheit verdeutlicht: Resilienz ist keine Einzeldisziplin. Nur wenn alle Elemente integriert betrachtet werden, ergibt sich ein konsistentes Bild:

  1. Prozesse definieren MTPD und RTO.
  2. Ressourcen werden identifiziert und hinsichtlich ihrer RTA bewertet.
  3. Risiken der Ressourcen werden beurteilt und abgesichert.
  4. Informationsobjekte erhalten ihre Schutzbedarfsanalyse mit CIA-Klassifizierung, wobei die Availability unmittelbar an RTO/MTPD gekoppelt ist.
  5. Im Check werden alle Parameter abgeglichen, um Konsistenz und Machbarkeit sicherzustellen.

So entsteht ein System, das nicht nur auf Krisen reagiert, sondern vorausschauend Schwachstellen identifiziert und integrativ absichert.

Von der Theorie zur Umsetzung

Ob Industrieunternehmen, Betreiber kritischer Infrastrukturen oder mittelständisches Unternehmen: Resilienz erfordert ein Denken in Abhängigkeiten und Schnittstellen. Das hier skizzierte Modell verdeutlicht, dass Business Continuity, Risikomanagement und Informationssicherheit keine konkurrierenden Systeme sind, sondern Bausteine einer gemeinsamen Architektur.

Die Visualisierung – vom Prozess über die Ressource bis hin zum Informationsobjekt und der finalen Risiko- und Zeitprüfung – macht deutlich: Resilienz ist ein Gesamtsystem, das in seiner Verzahnung wirkt. Wer es schafft, diese Systeme strukturiert zusammenzuführen, legt den Grundstein für eine Organisation, die nicht nur widerstandsfähig, sondern auch zukunftssicher ist.


Resilienz-Community und Standards als Orientierungsrahmen

Die sogenannte Resilienz-Community bietet heute eine Vielzahl an Orientierungen: internationale Normen wie ISO 22301 (Business Continuity Management), ISO/IEC 27001[12] (Informationssicherheit) oder ISO 22316 (Organizational Resilience), branchenspezifische Standards wie NIS 2, nationale Leitfäden wie die BSI-Standards 200-4 oder regulatorische Anforderungen wie das KRITIS-Dachgesetz[13]. Diese Vielfalt verdeutlicht die hohe Relevanz des Themas, birgt aber auch die Gefahr einer fragmentierten Umsetzung, wenn Organisationen lediglich einzelne Vorgaben isoliert betrachten. Entscheidend ist daher ein individueller Ansatz, der auf die jeweilige Organisation zugeschnitten ist. Nur wenn die Systeme ganzheitlich aufeinander abgestimmt werden, entsteht ein Resilienzkonzept, das nicht nur einzelne Normen erfüllt, sondern im Sinne eines Gesamtsystems auch die Anforderungen aus anderen relevanten Managementsystemen berücksichtigt und integriert. So gelingt es, den unterschiedlichen Regelwerken gerecht zu werden und gleichzeitig ein für die Organisation passendes, bewusst gestaltetes Resilienzsystem aufzubauen.


Vom Ereignis zur Wiederherstellung

Das Zusammenspiel von BCM, Notfall- und Krisenmanagement

Ein Schadensereignis entsteht selten aus dem Nichts. Zwischen der Vorbereitung, der akuten Reaktion und der anschließenden Wiederherstellung liegt ein klar strukturierter Ablauf, in dem das Business Continuity Management (BCM), das Notfallmanagement und das Krisenmanagement jeweils unterschiedliche, aber ineinandergreifende Rollen übernehmen.

Vor dem Ereignis

Vorbereitung durch das Business Continuity Management

Das BCM sorgt in der Preparation-Phase dafür, dass Organisationen auf potenzielle Störungen vorbereitet sind. Dazu gehören die Durchführung von Business Impact Analysen (BIA), die Identifikation zeitkritischer Prozesse und die Definition von Recovery-Zielen (RTO/MTPD).

Ziel ist es, Strukturen, Strategien und Abläufe so vorzubereiten, dass im Ernstfall schnell reagiert und die Wiederherstellungszeit möglichst gering gehalten werden kann – idealerweise unterhalb des tragbaren Ausfallniveaus.

Mit anderen Worten: BCM schafft das Fundament, damit Störungen keine Krisen werden.

Vorschau

Beim Laden werden Daten wie Ihre IP-Adresse an Canva übertragen. Datenschutz

BCM / CM von NOVELEDGE

Beim Eintritt des Ereignisses

Rolle des Notfallmanagements

Tritt ein Ereignis ein, steht zunächst das Notfallmanagement im Vordergrund. Es übernimmt die Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr und Stabilisierung der Situation. Dazu zählen etwa Evakuierungen, technische Sicherungsmaßnahmen oder erste Kommunikationsschritte. Das Notfallmanagement handelt operativ, taktisch und unmittelbar – es verhindert Eskalation und schützt Menschen, Umwelt und Sachwerte.

Bei Eskalation

Übergang zum Krisenmanagement

Wenn der Vorfall über das operative hinausgeht, also strategische Entscheidungen oder organisationweite Steuerungerforderlich werden, übernimmt das Krisenmanagement. Es bewertet die Lage, trifft Entscheidungen, priorisiert Maßnahmen und steuert die Kommunikation nach innen und außen.

Das Ziel: Schadensbegrenzung, Koordination aller Beteiligten und Führung unter Unsicherheit.

Das Krisenmanagement ist damit der zentrale Steuerungsmechanismus in der akuten Phase – es verbindet taktisches Handeln mit strategischer Entscheidungsfähigkeit.

Nach der Stabilisierung

Rückkehr durch Business Continuity Management

Sobald die Lage stabilisiert ist, tritt das BCM wieder stärker in den Vordergrund.

Jetzt beginnt die Wiederherstellungsphase: Prozesse werden gemäß den festgelegten Wiederanlaufstrategienreaktiviert, Systeme und Ressourcen schrittweise wieder hochgefahren und der Übergang zum Normalbetrieb organisiert.

Das BCM stellt sicher, dass geschäftskritische Abläufe innerhalb der festgelegten RTO-Zeiten wieder funktionsfähig sind und die Organisation zurück in den stabilen Betriebszustand findet – das sogenannte „Business as Usual“.

Nach dem Ereignis

Lernen und Härten

Abgeschlossen ist der Prozess erst, wenn die Organisation lernt. Nach jeder Störung oder Krise werden die Erfahrungen ausgewertet, Schwachstellen analysiert und Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet.

So schließt sich der Kreis des BCM-Lifecycles: Aus Erfahrungen werden Anpassungen, und aus Anpassungen entsteht Resilienz.

Zusammenspiel im Überblick

BCM, Notfallmanagement und Krisenmanagement bilden gemeinsam ein integriertes Gesamtsystem. Während das BCM vorbereitet, das Notfallmanagement stabilisiert und das Krisenmanagement steuert, sorgt die Wiederanlaufphase für Kontinuität und Vertrauen. Nur wenn diese Disziplinen nahtlos ineinandergreifen, können Organisationen Störungen bewältigen, daraus lernen und gestärkt hervorgehen.


Säulen der organisatorischen Resilienz

Von Informationssicherheit bis Business Continuity Management

Organisatorische Resilienz beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, trotz Störungen handlungsfähig zu bleiben, sich anzupassen und möglichst schnell in einen tragfähigen Betrieb zurückzukehren.

Damit das nicht nur ein Schlagwort bleibt, braucht Resilienz ein klares Fundament. Im NOVELEDGE-Ansatz setzen sich die wesentlichen Säulen aus folgenden Elementen zusammen:

  • Informations- und Cybersicherheit
  • Physische Sicherheit
  • Notfallmanagement
  • Krisenmanagement
  • Business Continuity Management (BCM)

Diese Bausteine lassen sich sinnvoll zu drei übergeordneten Säulen bündeln:

  1. Schutz (digitale und physische Sicherheit)
  2. Steuerung von Ereignissen (Notfall- und Krisenmanagement)
  3. Sicherung des Geschäftsbetriebs (Business Continuity Management)

Schutz

Erste Säule mit Informationssicherheit und physischer Sicherheit

Informations- und Cybersicherheit zum Schutz im digitalen Raum

Informationssicherheit und Cybersicherheit bilden die erste Schicht der Abwehr. Ziel ist es, konkrete Risiken und Bedrohungen im digitalen Raum so zu beherrschen, dass Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen gewährleistet bleiben.

Dazu gehören etwa:

  • ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS)
  • technische Maßnahmen (Firewalls, Verschlüsselung, Zugriffskontrollen, Monitoring)
  • organisatorische Maßnahmen (Richtlinien, Rollen, Schulungen, Sensibilisierung)
  • Prozesse zur Erkennung und Behandlung von Sicherheitsvorfällen (Incident Handling)

Cybersicherheit adressiert dabei verstärkt die externen Bedrohungen wie Malware, Phishing, Ransomware oder gezielte Angriffe. Informationssicherheit umfasst darüber hinaus auch interne Risiken, Fehlkonfigurationen, menschliche Fehler und den Schutz von Informationswerten unabhängig vom Medium.

Physische Sicherheit als Pendant im realen Raum

Als Pendant zur digitalen Sicherheit sorgt die physische Sicherheit dafür, dass Menschen, Gebäude, Technik und Infrastrukturen vor konkreten Gefahren geschützt werden – etwa vor:

  • unbefugtem Zutritt
  • Sabotage und Diebstahl
  • Feuer, Wasser, Stromausfall
  • Naturereignissen oder baulichen Schäden

Zutrittskontrollen, Schließsysteme, Videoüberwachung im rechtlich zulässigen Rahmen, Brandschutzkonzepte, Notstromversorgung oder physisch getrennte Serverräume sind typische Maßnahmen.

Ergebnis dieser Säule:

Digitaler und physischer Schutz bilden gemeinsam ein grundlegendes Schutzniveau, auf dem alle weiteren Resilienzmaßnahmen aufbauen. Sie verhindern nicht jede Störung, reduzieren aber die Eintrittswahrscheinlichkeit und das potenzielle Schadensausmaß deutlich.

Steuerung von Ereignissen

Zweite Säule mit Notfallmanagement und Krisenmanagement

Selbst das beste Schutzkonzept kann nicht alle Ereignisse verhindern. Resilienz bedeutet daher auch, Störungen aktiv zu steuern, wenn sie eintreten. Hier kommen Notfallmanagement und Krisenmanagement ins Spiel.

Notfallmanagement

Handeln bei Vorfällen mit begrenzter Auswirkung

Das Notfallmanagement adressiert Vorfälle mit geringeren oder begrenzten Auswirkungen, die trotzdem ein zielgerichtetes, rasches Handeln erfordern, um:

  • das Schadensausmaß zu begrenzen,
  • Kettenreaktionen zu verhindern und
  • möglichst schnell wieder in einen stabilen Zustand zu kommen.

Beispiele:

  • Ausfall einer einzelnen Anwendung
  • lokal begrenzte IT-Störung
  • kurzzeitige Unterbrechung einer Versorgung (z. B. Stromflackern mit Folgen für Systeme)
  • Sicherheitsvorfall mit zunächst überschaubarem Scope

Hier geht es um:

  • strukturierte Erstbewertung („Ist das noch ein Incident, oder schon eine Krise?“)
  • schnelle Eindämmung (Containment)
  • technische und organisatorische Sofortmaßnahmen
  • klare Kommunikationswege

Moderne Ansätze können hier KI-gestützte Überwachung und Analyse nutzen, um Auffälligkeiten früher zu erkennen, Muster schneller zu identifizieren und so noch gezielter eingreifen zu können. KI ersetzt dabei nicht die Verantwortung, unterstützt aber bei Erkennung, Priorisierung und Dokumentation.

Krisenmanagement

Die Einnahme und Koordination in der Krise

Wenn ein Ereignis eine besondere Tragweite erreicht – etwa, weil mehrere Standorte betroffen sind, Menschen gefährdet sind, der Ruf der Organisation massiv bedroht ist oder kritische Prozesse großflächig ausfallen – sprechen wir von einer Krise.

Das Krisenmanagement übernimmt dann die Aufgabe,

  • die Lage aktiv „einzunehmen“ – also Verantwortung und Steuerung zu übernehmen,
  • Entscheidungen zu bündeln und zu priorisieren,
  • die Koordination aller beteiligten Bereiche sicherzustellen,
  • die Kommunikation nach innen und außen zu steuern,
  • den Organisationsbetrieb soweit wie möglich aufrechtzuerhalten,
  • und einen Weg zurück in einen tragfähigen Normalbetrieb zu gestalten.

Krisenstäbe, klar definierte Rollen, strukturierte Lagebilder, Entscheidungsgrundlagen und ein geübtes Zusammenspiel von Fachbereichen sind hier entscheidend. Notfallmanagement und Krisenmanagement greifen ineinander: Das Notfallmanagement erkennt und eskaliert, das Krisenmanagement steuert und priorisiert.

Sicherung des Geschäftsbetriebs

Dritte Säule mit Business Continuity Management (BCM)

Während Informationssicherheit und physische Sicherheit primär präventiv wirken und Notfall- und Krisenmanagement auf Ereignissteuerung fokussieren, geht das Business Continuity Management noch einen Schritt weiter:

Es akzeptiert, dass trotz aller Maßnahmen unvorhersehbare Umstände eintreten und zentrale Prozesse beeinträchtigen können – und gestaltet bewusst die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung oder schnellen Wiederherstellung kritischer Abläufe.

All-Gefahren-Ansatz und zeitkritische Prozesse

BCM verfolgt einen All-Gefahren-Ansatz: Nicht das konkrete Szenario steht im Vordergrund, sondern die Auswirkungen auf die zeitkritischen Prozesse der Organisation.

Kerninstrument ist die Business Impact Analyse (BIA). Sie identifiziert:

  • welche Prozesse für die Organisation kritisch sind,
  • ab wann ein Ausfall nicht mehr tragbar ist (maximale tolerierbare Ausfallzeit, MTPD),
  • welche Wiederanlaufzeiten (RTO) für Prozesse und Ressourcen erforderlich sind,
  • welche Ressourcen (IT, Gebäude, Menschen, Lieferanten, Infrastruktur) für diese Prozesse notwendig sind,
  • und welche Abhängigkeiten zwischen Prozessen und Ressourcen bestehen.

Damit stellt BCM sicher, dass nicht nur abstrakt „Risiken“ betrachtet werden, sondern konkrete Auswirkungen auf den Geschäfts- bzw. Organisationsbetrieb.

Business Continuity Pläne als strukturierte Anlaufhilfe

Auf Basis der BIA werden Business Continuity Pläne (BC-Pläne) erstellt. Sie beinhalten:

  • klare Handlungsanweisungen für den Betrieb im Notmodus,
  • Priorisierung von Prozessen und Ressourcen,
  • definierte Wiederanlaufstrategien (z. B. Ausweichstandorte, manuelle Ersatzprozesse, alternative Lieferwege),
  • Rollen und Verantwortlichkeiten,
  • Kommunikations- und Eskalationswege.

Diese Pläne sind kein Selbstzweck, sondern dienen:

  • der operativen Handlungsfähigkeit in der Störung,
  • der koordinierten Wiederherstellung vor Erreichen des Untragbarkeitsniveaus,
  • und als qualifizierte Entscheidungsgrundlage für das Krisenmanagement.

Entscheidungsunterstützung für das Krisenmanagement

Durch die BIA kennt die Organisation:

  • ihre kritischsten Prozesse,
  • die zulässige Ausfallzeit je Prozess,
  • und die Abhängigkeiten zu Ressourcen und anderen Prozessen.

Für das Krisenmanagement bedeutet das:

Es kann im Ereignisfall fundiert entscheiden, welche Ressourcen priorisiert werden müssen, welche Maßnahmen welchen Effekt auf welche Prozesse haben und wie sich ein Ausfall an einer Stelle durch die Organisation fortpflanzt.

Damit wird BCM zum Bindeglied zwischen präventiver Sicherheit (digital und physisch) und reaktiver Steuerung (Notfall- und Krisenmanagement). Es füllt genau die Lücke, die entsteht, wenn trotz aller Schutzmaßnahmen ein Impacteintritt.


Fazit

Resilienz ist mehr als „nur“ Sicherheit

Die drei Säulen – Schutz, Steuerung von Ereignissen und Sicherung des Geschäftsbetriebs – machen deutlich:

  • Informations- und physische Sicherheit reduzieren Risiken und Bedrohungen, können sie aber nicht vollständig ausschließen.
  • Notfall- und Krisenmanagement sorgen dafür, dass eine Organisation bei Störungen nicht in Schockstarre verfällt, sondern aktiv steuert, koordiniert und kommuniziert.
  • Business Continuity Management stellt sicher, dass zeitkritische Prozesse auch unter außergewöhnlichen Bedingungen aufrechterhalten oder schnell wiederhergestellt werden – strukturiert, koordiniert und an zuvor definierte Toleranzgrenzen gebunden.

Zusammengenommen entsteht so eine belastbare Resilienzarchitektur, die:

  • sowohl den digitalen als auch den physischen Raum abdeckt,
  • sowohl kleine Störungen als auch große Krisen adressiert,
  • und dem Management eine belastbare Grundlage für Entscheidungen bietet.

Das Wirkungsmodell führt diese Bausteine zusammen: Managementsysteme wirken über die organisationale Resilienz auf die Leistung der Organisation, und welcher Nutzen am Ende zählt, legt jede Organisation selbst fest. Die Fachbeiträge dieser Reihe ergänzen das Modell Schritt für Schritt – jeder zeigt, an welcher Stelle er ansetzt.


Wenn Sie Unterstützung bei der Anpassung oder Einführung von Management-Systemen benötigen – sei es Business Continuity, Risikomanagement oder Informationssicherheit – können Sie auf die Expertise unseres Netzwerks zurückgreifen. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die individuell zu Ihrer Organisation passen und praxisnah umsetzbar sind.

Jetzt Unterstützung sichern!


Quellen

Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen. Aus kostenpflichtigen Normen wird nicht wörtlich zitiert; ihre Inhalte sind sinngemäß wiedergegeben.

  1. Galaitsi, S. E.; Pinigina, E.; Keisler, J. M.; Pescaroli, G.; Keenan, J. M.; Linkov, I. (2023): Business Continuity Management, Operational Resilience, and Organizational Resilience: Commonalities, Distinctions, and Synthesis. International Journal of Disaster Risk Science, 14, 713–721. doi.org/10.1007/s13753-023-00494-x ↑
  2. ISO 22316:2017 – Security and resilience – Organizational resilience – Principles and attributes. Herausgeber: International Organization for Standardization, Genf. Kostenpflichtig über den Normenhandel. ↑ ↑
  3. National Institute of Standards and Technology: NIST Special Publication 800-34 Rev. 1 – Contingency Planning Guide for Federal Information Systems. Mai 2010. Frei verfügbar bei NIST. ↑ ↑
  4. Awang Ali, Q. S.; Hanafiah, M. H.; Mogindol, S. H. (2023): Systematic literature review of Business Continuity Management (BCM) practices: Integrating organisational resilience and performance in small and medium enterprises (SMEs) BCM framework. International Journal of Disaster Risk Reduction, 99, 104135. doi.org/10.1016/j.ijdrr.2023.104135 ↑ ↑
  5. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) (2025): Reife- und Umsetzungsgradbewertung im Rahmen der Nachweisprüfung (RUN), Version 1.0 vom 02.01.2025, Kapitel 3.2 (Reifegrade des BCMS). bsi.bund.de ↑
  6. Awang Ali, Q. S.; Hanafiah, M. H.; Mogindol, S. H. (2024): Navigating turbulent waters: The impact of business continuity management (BCM) practices on financial and nonfinancial performance of tour operator companies. Journal of Contingencies and Crisis Management, 32(1). doi.org/10.1111/1468-5973.12550 ↑
  7. Yulianto, E.; Awang Ali, Q. S.; Hanafiah, M. H. u. a. (2025): Strengthening resilience and performance through business continuity management: insights from central java tour operators. Quality & Quantity, online 26.07.2025; 60(4), 11961–11987. doi.org/10.1007/s11135-025-02285-6 ↑
  8. DIN EN ISO 22301:2020-06 – Sicherheit und Resilienz – Business Continuity Management System – Anforderungen (ISO 22301:2019). Deutsche Fassung EN ISO 22301:2019. Herausgeber: DIN Deutsches Institut für Normung e. V., Berlin. Kostenpflichtig über den Normenhandel. ↑
  9. ISO 31000:2018 – Risk management – Guidelines. Herausgeber: International Organization for Standardization, Genf. Kostenpflichtig über den Normenhandel. ↑
  10. Richtlinie (EU) 2022/2555 zur Gewährleistung eines hohen gemeinsamen Cybersicherheitsniveaus in der Union (NIS-2-Richtlinie). Frei verfügbar bei EUR-Lex. ↑
  11. Verordnung (EU) 2022/2554 über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA). Frei verfügbar bei EUR-Lex. ↑
  12. ISO/IEC 27001:2022 – Information security, cybersecurity and privacy protection – Information security management systems – Requirements. Herausgeber: International Organization for Standardization und International Electrotechnical Commission, Genf. Kostenpflichtig über den Normenhandel. ↑
  13. Dachgesetz zur Stärkung der physischen Resilienz kritischer Anlagen (KRITIS-Dachgesetz – KRITISDachG). Frei verfügbar bei gesetze-im-internet.de. ↑

Resilienz-Lagebericht – monatlich, kostenfrei

Aktuelle Ausgabe: Monatsbericht September 2026. Gesamtlage, die wichtigsten Lagen mit Angabe der Belastbarkeit, Sektor-Exposition und was jetzt zu prüfen ist – als PDF.

Verfasser

Ähnliche Artikel